Das schцnste Schlachthaus Europas

 

Aus der norwegischen Zeitung УAftenpostenФ vom 18. August 2002

Kommentar zum Sonntag von Kеre Valebrokk

 

УWir hдtten das viele Wasser hier jetzt  gut gebrauchen kцnnen - damals in der Nacht vom 13. zum 14. Februar, У sagt eine alte, mьde Frau in DRESDEN. In jener Nacht und am darauffolgenden Tag starben unter den unmenschlichen Bombardierungen der Alliierten mehrere hunderttausend Menschen. Das war der unnцtigste, sinnloseste Bombenabwurf der Geschichte. Wer vergessen hat zu weinen, wird es bestimmt wieder lernen kцnnen, hier in Dresden.

 

Diese alte, mьde Frau hier erinnert mich sehr an eine alte Dame mit einem Blumenstrauя, der ich in London begegnete, an den Bomber-Harris, Winston Churchill und ein mystisch-romantisches Dresden-Bild von dem norwegischen Maler J. C. Dahl. Nun also, es ist Dresden - wieder einmal. Diesmal, weil der Wasserstand der Elbe soeben seinen Rekord von 1845 passiert. Aber es ging nicht um Wasser in jener Nacht zum 14. Februar 1945, es ging um Bomben, von jenem Bomber-Harris, der nun als Statue auf seinem Sockel thront, in der Nдhe der Kirche St. Clement in London, es ging um Tod und Zerstцrung, ausgesandt von jenem Mann, zu dessen Statue jene alte Dame soeben auf dem Wege ist.

 

Antony Harris war der Chef des britischen Bomber Command im zweiten Weltkrieg. Er war verantwortlich fьr die Vernichtung von Europas schцnster Stadt - Dresden. In nur drei Tagen und einer Nacht schafften es die Briten und die Amerikaner 83 000 Hдuser in Schutt und Asche zu legen, darunter Dresdens weltbekannte Barock-Fassaden an der Elbe. Aber zurьck zu der alten Dame mit dem Blumenstrauя, der ich begegnete in der Nдhe der St. Clementkirche in London. Sie kam mit einigen, kleinen Blumen in der Hand, - sie weinte ein bisschen in Gedanken an ihren gefallenen - vom Himmel gefallenen - Mann. Er war einer der vielen tausend  Bombenabwerfer gewesen und wurde runtergeschossen in seinem Flieger ьber Deutschland.

 

Alle Jahre danach habe sie ihren Mann als Held betrachtet, sagt sie zu mir und fдhrt fort, nun wьrde der Bomber-Harris ьberall in der Welt verspottet, auch die  Kцniginmutter hдtte das getroffen, als sie bei der feierlichen Einweihung die Statue vom Bomber-Harris enthьllt habe. In Dresden wurde die Kцnigin Elisabeth bei ihrem Besuch im Jahre 1993 mit faulen Tomaten beworfen.

 

Es war 22.15 Uhr am 13. Februar 1945, als die ersten 650 000 Sprengbomben und 20 000 Brandbehдlter auf die Stadt Dresden fielen. Das war zu einem Zeitpunkt, als Deutschland den Krieg schon lange verloren hatte. Die Idee zu diesem Verbrechen hatte Winston Churchill. Er meinte damals, es wьrde den Vormarsch der Russen erleichtern, wenn die Englдnder die Stadt Dresden in Schutt und Asche legen wьrden. Dresden war fast ohne Verteidigung und militдrisch ohne Bedeutung, was spдter starke Kritik an der Bombardierung ausgelцst hat.

 

Churchill gab den Auftrag an den УbewдhrtenФ Bomber-Harris, der auch alles Уzur ZufriedenheitФ ausfьhrte. 244 britische Lancaster-Bomber lцsten einen Feuersturm aus - in der schцnen, verteidigungslosen, 750 Jahre alten Stadt. Aber das war nur der Anfang. Als die Rettungsmannschaften um das Leben der Menschen kдmpften, kam um 1.30 Uhr in der gleichen Nacht, eine neue und doppelt so groяe Welle von Bombern mit ihrer tцdlichen Last. In den Tagen danach, am 14. und 15. Februar, schickten nun die Amerikaner Hunderte von B 17 Bombern, um der tцdlich getroffenen Stadt den Rest zu geben.

 

Zu Beginn der Angriffe gab es in Dresden ca. 630 000 Einwohner. Hinzu kamen noch etwa 600 000 Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Kein Mensch weiя wirklich, wie viele Menschen in Dresden umkamen, aber die Zahl der Toten soll hцher sein als in Hiroshima. Viele der Leichen fanden die Bergungsmannschaften in den Kellern unter den Ruinen der Gebдude, sie wirkten scheinbar unversehrt, weil sie erstickt waren durch den Mangel an Luft unter den wьtenden Flammen.

 

Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut beschreibt in seinem Buch УSchlachthof FьnfФ die Bombardierung von Dresden als ein grelles Exempel, wie bцsartig Menschen sein kцnnen. Vonnegut weiя, wovon er spricht. Er hat als amerikanischer Kriegsgefangener den Feuersturm von Dresden hautnah miterlebt. Der Titel seines Buches УSchlachthof FьnfФ ist sehr passend.

 

Dahl: Dresden

 

Eines der bekanntesten Gemдlde von Dresden stammt von dem Norweger Johann Christian Dahl. Er wurde 1788 in Bergen geboren und verbrachte - als Professor fьr Kunst - einen groяen Teil seines Lebens in Dresden, wo er auch 1857 gestorben ist.

 

Nach dem Kriege waren die Briten und Amerikaner nicht besonders stolz ьber ihre УHeldentatФ Dresden. Man versuchte sie so viel wie mцglich zu verstecken und in Vergessenheit zu bringen. In England schrieb Winston Churchill einen Brief an Arthur Harris, in dem er versuchte, sich der Verantwortung fьr das Massaker zu entledigen. Das aber gefiel Mr. Harris gar nicht, und Churchill bekam seinen Brief zurьck.

 

Und noch immer steht dieser Schlдchter Harris unangefochten auf seinem Sockel vor der St. Clementkirche in London, und noch immer gehen alte Damen mit Blumen dorthin...

 

Keiner konnte das schreckliche Geschehen besser beschreiben, als Gerhart Hauptmann, der damals schrieb: WER VERGESSEN HAT, ZU WEINEN, KANN DAS AUFS NEUE LERNEN - IN DRESDEN.

 

№bersetzung: Anna Duus

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